Speicher statt Trasse!

Es gibt immer mehr Initiativen, die darauf abzielen, die Energiewende mit Hilfe von Stromspeichern auf den Weg zu bringen. So hat Prof. Dr.-Ing. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin berechnet, dass die Energiewende erreicht wird, wenn jeder dritte Haushalt in Deutschland einen Stomspeicher aufweist. Eine Initiative zur Installation weiterer Stromspeicher in den Haushalten kommt beispielsweise aus Bayern. Die Privathaushalte haben den Erfolg der Energiewende sozusagen selbst in der Hand. Zentrale Energieversorger oder Netzbetreiber spielen in diesem Ansatz keine Rolle mehr. Die gleiche Argumentation verfolgt auch Hermann Scheer in seinem Buch zur Energieautonomie.

Der Stromspeicher im eigenen Haushalt ist längst keine Zukunftsvision mehr. Es gibt dazu bereits viele Angebote auf dem Markt. So bietet die sonnen GmbH aus dem Allgäu die "Sonnenbatterie" an: eine Speicherlösung für den Privathaushalt mit Kapazitäten von 2 bis 16 kWh. Es gibt unzählige weitere Anbieter solcher Produkte, wie etwa die Firma Tesla - bekannt durch die Herstellung von Elektroautos - aber auch Energiekonzerne wie E.ON (siehe etwa hier). Viele weitere Infos über Speicherlösungen findet man hier in einem Vortrag gehalten beim B.U.N.D Hannover.

Die Firma Tesla liefert auch Stromspeicher in größerem Ausmaß: Lösungen für Stadtwerke, die damit Schwankungen von lokal erzeugten regenerativen Energien ausgleichen können.

Wozu braucht man also den überdimensionierten SuedLink?

 

Daimler und Enercity bauen Batteriespeicher

In Herrenhausen entsteht ein Synergieeffekt ganz besonderer Art: der Kfz-Hersteller Daimler muss für seine Flotte von Elektro-Smarts viele Batteriemodule als Ersatzteile vorhalten. Wenn diese jedoch konventionell gelagert werden, drohen Kapazitätseinbußen durch Tiefenentladung. Die Batteriezellen müssen also regelmäßig ge- und entladen werden, sogar noch bevor sie im Elektromobil zum Einsatz kommen. In diesem Zusammenhang entstand eine Kooperation mit den Stadtwerken Hannover: Da hier bereits ein sehr großer Teil an regenerativ erzeugtem Strom angeboten wird, besteht Bedarf, die Leistungs-Schwankungen der erneuerbaren Energien zu glätten. Dazu kommt ein Stromspeicher wie gerufen. Enercity und Daimler AG haben sich daher zusammengetan, um gemeinsam ein Batteriespeicherwerk in Herrenhausen zu bauen. Es soll 3000 der Smart-Batteriemodule enthalten und wird eine Speicherkapazität von 15 MWh haben.

Enercity und Daimler unterstützen damit beispielhaft die Energiewende. Solche dezentralen Speicherlösungen sind effektiv und vor allem risikoarm im Vergleich zu einem höchst umstrittenen und extrem kostenintensiven Projekt wie dem SuedLink. Wozu braucht man diese teuere, umweltschädigende und anfällige zentrale Stromtrasse, wenn man derartige dezentrale Batteriespeicher haben kann? Süddeutschland hat noch viel ungenutztes Potential für Windstrom, und auch viel mehr Sonnenstunden als der Norden. Statt den Strom quer durch die Republik nach Süden zu leiten, macht es viel mehr Sinn, ihn vor Ort erneuerbar zu produzieren und die Schwankungen mit solchen Batteriespeicherlösungen (oder Power-To-Gas-Anlagen) auszugleichen!

Weitere Artikel zum Batteriespeicher-Projekt in Herrenhausen:

https://www.enercity.de/presse/pressemeldungen/2016/2016-02-01-batteriespeicher/
https://www.enercity.de/presse/pressemeldungen/2016/2016-11-21-Umweltminister-Wenzel-besucht-Herrenhausen/
http://m.pv-magazine.de/nachrichten/details/beitrag/enercity-setzt-verstrkt-auf-speicher_100025179/
http://www.elektroniknet.de/elektronik-automotive/elektromobilitaet/energiespeicher-aus-smart-batterien-bauen-127116.html

 

Alternative zu SuedLink: Vorträge beim BUND zu Bürgerenergiegesellschaften und Autarkie

Am 9. November konnte man sich beim BUND Hannover im Freizeitheim Vahrenwald zu den Themen regionale Energieerzeugung und Energie-Autarkie informieren:

Hans Mönninghoff von der NaturEnergie Genossenschaft für die Region Hannover hat sehr anschaulich vorgestellt, dass zwar durch die Novelle des EnergieEinspeise Gesetzes (EEG) insgesamt der Zubau von Wind- und Sonnenstromproduktion  massiv begrenzt wird, aber Bürgerenergiegesellschaften privilegiert werden. Das bedeutet, dass wir in der Region Hannover auch in Zukunft eigene dezentrale Bürgerenergie produzieren können!  Hier geht's zum Vortrag bei bund-hannover.de.

Autark werden! Dieses Ziel verfolgt Ulf Hansen-Röbel von Corona Solar in seinem Vortrag über Stromspeicher. Ein Autarkie-Grad von 70% ist mit Photovoltaik-Anlagen in Norddeutschland durchaus erreichbar. Im Vortrag werden verschiedene Speichertechnologien für den Hausgebrauch vorgestellt. Es gibt mittlerweile Speichergeräte in den Größen 4-16 kWh, die einfach an die Photovoltaikanlage und das Hausnetz angeschlossen werden können. Konkrete Beispiele werden gezeigt, etwa mit einem erreichten Autarkiegrad von 65%.  Hier geht's zum Vortrag auf der Seite des BUND Hannover.

 

Umfrageergebnisse: Ja zur Energiewende - Nein zum Netzausbau

Das Büro für Technikfolgenabschätzung im Bundestag hat im Rahmen des sog. "Stakeholder Panel" von Nov. 2014 bis Jan. 2015 eine Online-Umfrage zum Thema "Ausbau der Stromnetze im Rahmen der Energiewende" durchgeführt und veröffentlicht nun die Ergebnisse.

Danach stimmen 72% der Befragten dem Aufbau der erneuerbaren Energien zu und 67% befürworten den Ausstieg aus der Atomenergie. Allerdings lehnen 51% den Ausbau der Stromnetze ab.

85% erwarten große Widerstände beim Netzausbau durch betroffene Bürger. Viele der Befragten gehen ohnehin davon aus, dass ein weiterer Netzausbau für die Energiewende nicht nötig ist und sehen das Vorhandensein von Speichertechnologien und dezentralen Energieversorgungssystemen als viel wichtiger an. 

Lesenswert: der vollständige Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung

 

arte: Die große Stromlüge

arte berichtete letzen Dienstag (29.3., 20:15) über die Fehlentwicklungen bei der Liberalisierung der Strommärkte in Europa. 

Die Sendung setzt sich kritisch mit den etablierten Strukturen der Energieindustrie auseinander und berichtet u.a. über die verhängnisvolle Rücknahme der Einspeisevergütung für regenerative Energien in Spanien, die durch Einfluss der Energielobby auf die Regierung zustande gekommen sei.

Weiter heißt es, dass es in Frankreich auf Inseln, die nicht an die Stromversorgung zum Festland angeschlossen sind, Bestrebungen gab, sich selbst mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Dieser Ansatz zur Energieautonomie sei jedoch vom zentralen Energiemonopolisten erfolgreich verhindert worden.

In Deutschland wird die weiterhin stark genutzte Braunkohleverstromung kritisiert, die den Klimaschutzzielen zuwiderläuft (Übrigens ist Kohleverstromung auch ein Thema bei der SuedLink-Stromtrasse: Es wird nicht ausgeschlossen, dass auch Kohlestrom durch diese Leitung fließt und nicht nur Windstrom).

Die Reportage "Die große Stromlüge" wird am 19.4.,8:55 Uhr und am 11.5., 10:45 Uhr wiederholt und kann auf http://www.arte.tv/guide/de/052400-000-A/die-grosse-stromluege im Internet angesehen werden.

 

Buchtipp: 'Energieautonomie' von Hermann Scheer

Das Buch arbeitet zunächst die verschiedenen Vorteile erneuerbarer Energien heraus. Neben der bloßen Entwurf eines Twintowers mit integrierten Windrotoren Klimaneutralität und Unerschöpflichkeit ist für Scheer vor allem das Argument der schnellen und dezentralen Einführung wichtig: während fossile Großkraftwerke jahrelanger Planung bedürfen und damit nicht selten bei Fertigstellung aufgrund veränderter Rahmenbedingungen am Bedarf vorbei produzierten, seien regenerative Energien in vielen kleinen Anlagen wesentlich flexibler einsetzbar. Scheer weist auf die bessere Energieeffizienz der dezentralen regenerativen Energien hin, insbesondere aufgund des Wegfalls umfangreicher Leitungsverluste. Aber auch volkswirtschaftliche Aspekte werden angeführt, wie etwa die Unabhängigkeit von Primärenergie-Importen aus dem Ausland, aber auch die vermehrte Schaffung von Arbeitsplätzen im Energietechnologie-Sektor, und zwar vor allem im Mittelstand.  

So ist es denn doch verwunderlich, dass wir in der Welt der erneuerbaren Energien trotz dieser vielen Vorteile noch immer nicht angekommen sind. Folgerichtig untersucht Scheer als nächstes sehr ausführlich die Schwierigkeiten und Hemmnisse, die auf dem Weg zu einer Energieversorgung aus erneuerbaren Energien liegen. Eine der Hauptursachen für das schleppende Vorankommen findet er in den schwerfälligen und sich selbst erhaltenden Strukturen der etablierten Energiewirtschaft. Er beleuchtet die oftmals unheilige Allianz der Politik mit den großen Energieversorgern und ist davon überzeugt, dass das alleinige Warten auf den Durchbruch der erneuerbaren Energien durch die bislang wirkenden Kräfte nicht zum Erfolg führen wird. Scheer führt als Beispiel die interne Studie zweier großer Energiekonzerne an, in der ermittelt wurde, dass die Erneuerbaren bis zum Jahre 2050 den gesamten Weltenergiebedarf decken könnten. Da eine solche Aussage für die Konzerne politisch nicht tragbar war, sei kurzerhand von einer Verdopplung des Energiebedarfs bis 2050 ausgegangen worden, um auch weiterhin die bestehende sehr profitable fossile Sparte weiterführen zu können.

Der zentralistische Ansatz des bestehenden Energieversorgungssystems selbst ist für Scheer eines der größten Hemmnisse auf dem Weg zur Energiewende: "Die These eines enorm langen Zeitbedarfs für die Einführung der neuen Energien wird von Energieexperten aus der Geschichte des konventionellen Energiesystems abgeleitet. Diese Erfahrung gründet sich nicht in erster Linie auf die langen Bauzeiten für Großkraftwerke, sondern auf den noch wesentlich zeitraubenderen Ausbau einer weiträumigen Transport- und Verteilungsstruktur der Energieversorgung. Diese Erfahrung wäre jedoch nur dann auf erneuerbare Energien übertragbar, wenn deren Ausbau sich am überkommenen Vorbild orientieren und den großtechnischen Weg wählen würde. Doch das ist, von Ausnahmen abgesehen, weder technologisch notwendig noch ökonomisch sinnvoll." (S. 63 ff.)

Weiterlesen: Buchtipp: 'Energieautonomie' von Hermann Scheer

Zeit online: Keine Angst vor der Energiewende!

Zeit online berichtet über eine Stellungnahme verschiedener Wissenschaftsakademien zu Themen der Energiewende. Darin heißt es: "Die Energiewende funktioniert, wenn man will: Eine Studie von über 100 Experten kommt zum Schluss, dass dafür kein Stromtransport vom Norden in den Süden notwendig ist."

Die Wissenschaftler propagieren verschiedene Lösungen zur dezentralen Energieerzeugung. So wird auf die Wasserstoffgewinnung überschüssigem Ökostrom zur Überwindung der Dunkelflauten bei fehlendem Wind oder Sonnenlicht hingewiesen. Ferner könne dazu ein intelligentes dezentrales Strommanagement mit verschiedenen Batteriespeichern beitragen, aber auch die Nutzung von Erdwärme, sowie der Einsatz flexibler Gaskraftwerke.

Hier geht's zum Artikel auf Zeit online.

 

ZDF nano spezial: Bottrop geht die Energiewende an

ZDFnano vom 6.11. berichtet über das Projekt InnovationCity, mit dem die Stadt Bottrop auf regenerative und dezentrale Energiegewinnnung umstellt.

Siehe im Video ab Minute 16:25

Kann Garbsen das nicht auch?

PlusMinus: vom Bund gefördertes Effizienzhaus erfordert Netzausbau und Kohlekraft

Die PlusMinus-Sendung vom 26.8. berichtet über das sog. "Effizienzhaus Plus", ein von der Bundesregierung gefördertes Wohnhausmodell, das mehr Energie erzeugen soll als es verbraucht und mit überschüssigem Strom sogar noch ein Elektroauto speisen könne. Das Problem dabei: auch das Heizen erfolgt (mittels Wärmepumpe) ebenfalls mit Strom, der allerdings im Winter über die eigenen Solarmodule gar nicht ausreichend zur Verfügung steht. Da Speicherkonzepte fehlen, werde dann Windstrom aus dem Norden benötigt - was weiteren Netzausbau erfordert - und, falls Flaute herrscht, auf Kohlestrom zurückgegriffen. Das Fazit von PlusMinus: Die Energiewende wird so kaum gelingen können.

PlusMinus zeigt aber auch auf wie es funktionieren kann: Ein Energieexperte aus Freiberg konstruiert Häuser mit einem riesigen Heißwasserspeicher, der die Wärmeenergie bis in den Winter speichern könne, um dann das Haus damit zu heizen. Man ist der Energie-Autonomie so einen großen Schritt näher und unabhängiger vom Stromnetz.

Hier gehts zum Video des Beitrags.

 

 

 

 

Klartext auf DialogEnergieZukunft(EnBW): Energiespeicher statt HGÜ-Leitungen für die Energiewende

Auf dem DialogEnergieZukunft-Protal von EnBW redet Stephan Grüger (SPD, MdL Hessen, EUROSOLAR) Klartext:

Von wegen Stromüberschuss im Norden: "[Im Norden wird] mit rund 306 TWh pro Jahr mehr Strom verbraucht[], als selbst in der optimistischsten Planung on- und offshore Windstrom produziert werden wird". Grüger fordert Energiespeicher statt teurer HGÜ-Leitungen.

Besonders deutlich wird er in dem Abschnitt "Der (Braun)Kohledeal". Dort heißt es "Südlink ist also NICHT das 'Backbone der Energiewende', sondern eher die Garantie für den Fortbetrieb der alten Kohlekraftwerke[..]."

Hier geht's zum Artikel.

EnergieAgentur.NRW: Smarte Lösungen statt hartem Netzausbau

EnergieAgentur.NRW berichtet von einem Projekt im Münsterland, in dem durch Einsatz eines Stromspeichers der weitere Leitungsnetzausbau vermieden wird. Wichtign dafür ist: eine technologieoffene Ausschreibung.

Hier geht's zum Artikel.